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Fast jedes zehnte Kind kommt in der Schweiz zu früh zur Welt. Einige von ihnen massiv zu früh. Für die Eltern bedeutet das viel Stress und grosse Sorge; das Frühgeborene verbringt Wochen oder sogar Monate im Spital in einer Isolette – einem aquariumähnlichen Kasten, der die Wärme reguliert und vor Viren und Bakterien schützt. Das Kleine hängt darin an Schläuchen, die Nahrung und Sauerstoff zuführen.

Das Kind, das im Bauch der Mutter zur Orientierung aus Reflex an der Nabelschnur zieht, tut dies im Spital unruhig mit Schläuchen, Kabeln und Sonden. Deshalb kam eine betroffene Mutter in Dänemark 2013 auf die Idee, ihrem Kind einen gehäkelten Oktopus in den Kasten zu legen. Die Tentakel fungierten dabei als Nabelschnur-Ersatz zum Greifen und Ziehen. Und siehe da: Das Frühgeborene verhielt sich ruhiger; die Atmung und der Herzschlag des Kleinen wurden regelmässiger, der Sauerstoffgehalt im Blut stieg an.

Die Idee machte auf der ganzen Welt Schule – nun auch im Ostschweizer Kinderspital in St. Gallen, wie es in einer Mitteilung heisst. Das Kinderspital darf dabei auf eine spezielle Häkelgruppe namens Team Oktopus 4 zählen. Gegründet haben es die vier Frauen Ruth Cozzio-Studerus, Rita Krapf-Studerus, Heidi Klauser-Studerus und Cornelia Spissu-Krapf. Sie fertigen jeden einzelnen Tintenfisch in liebevoller Handarbeit. Jedes Stofftier werde streng geprüft und kontrolliert, bevor es zum beruhigenden Einsatz komme, wie das Spital betont. Akzeptiert würden nur Oktopusse, die gemäss Vorschriften und speziellen Materialvorgaben hergestellt wurden. (mre)